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Wie alt ist Göbekli Tepe?

Die Monumentalbauten von Göbekli Tepe werden grob auf 9.600–8.200 v. Chr. datiert; kalibrierte Proben lassen die Datierung einzelner Bauten offen. [1] [3]

Eine Zeitspanne, kein einzelnes Datum

Die kurze Antwort hängt davon ab, was genau datiert werden soll. Die UNESCO nennt eine breite Zeitspanne für die Monumentalbauten; archäologische Datierungsstudien untersuchen dagegen Proben aus bestimmten Mauern, Fußböden, Verfüllungen und Ablagerungen. Weder eine Zeitspanne für die ganze Fundstelle noch eine einzelne Probe nennt das genaue Jahr, in dem die gesamte Siedlung begann. Die vorsichtige Antwort lautet: Die großen Bauten gehören zum präkeramischen Neolithikum. Die früheste monumentale Nutzung setzt ungefähr im zehnten Jahrtausend v. Chr. ein; spätere Aktivitäten reichen bis ins neunte Jahrtausend. [1] [2]

In ihrer öffentlichen Zusammenfassung datiert die UNESCO die Monumente auf etwa 9.600 bis 8.200 v. Chr. und beschreibt das Welterbe als rund 11.500 Jahre alt. Als grobe öffentliche Einordnung passen diese Angaben zusammen, doch sie verdichten eine lange und veränderliche archäologische Abfolge zu einem einzigen Alterswert. Die Fundstelle wurde über längere Zeit genutzt und umgebaut. Vergleichen Sie Datierungen deshalb erst, nachdem Sie geklärt haben, ob eine Quelle die erste Besiedlung, einen Rundbau, eine Bauphase oder die letzte Nutzung einer Ablagerung meint. [1]

Was Radiokarbondaten tatsächlich datieren

Stein lässt sich nicht direkt mit der Radiokarbondatierung datieren. Archäologinnen und Archäologen datieren stattdessen organisches Material, das in einem genau beschriebenen Zusammenhang mit der Architektur gefunden wurde. Anschließend vergleichen sie die Ergebnisse mit Stratigrafie, Baugeschichte und Fundabfolgen. Verkohlte Pflanzenreste sind in Göbekli Tepe selten. Proben können aus Mauermörtel, einem Fußboden oder einer späteren Verfüllung stammen. Eine Datierung der Verfüllung kann eingrenzen, wann Material abgelagert wurde; sie datiert aber nicht automatisch den ersten Bau der danebenliegenden Mauer. Deshalb werden Datierungen als kalibrierte Zeitspannen angegeben, und der Fundzusammenhang ist ebenso wichtig wie das Laborergebnis. [2]

Das DAI berichtet für Proben aus frühen Bauzusammenhängen nahe Rundbau D von kalibrierten Werten zwischen 9.664 und 9.311 cal v. Chr. bei einem Konfidenzniveau von 95,4 Prozent. Das ist ein Wahrscheinlichkeitsbereich, kein genaues Baudatum. Das Institut weist außerdem darauf hin, dass die Proben stratigrafisch sorgfältig mit dem Rundbau in Beziehung gesetzt werden müssen. Das Ergebnis ist ein wichtiger Hinweis auf frühe Bautätigkeit. Die Abfolge kann dennoch präzisiert werden, wenn weitere Zusammenhänge ausgegraben und bewertet sind. [2]

Schichten sind ein archäologisches Modell

Ältere Zusammenfassungen verwenden oft ein einfaches Schichtenmodell: Die großen runden oder ovalen Monumentalbauten heißen Schicht III, spätere rechteckige Gebäude Schicht II und gemischte Oberflächenablagerungen Schicht I. Das erleichtert den Einstieg in die Abfolge, kann aber den falschen Eindruck erwecken, ein vollständiger Gebäudetyp habe den anderen zu einem einzigen Zeitpunkt abgelöst. Gebäude wurden repariert, verändert, verfüllt und wiederverwendet. Auch verschiedene Bereiche des Hügels haben jeweils ihre eigene Geschichte. Die Schichten beschreiben eine Deutung der Stratigrafie; sie sind keine Datumsangaben, die auf jedem Pfeiler oder Raum stehen. [2] [3]

Eine Zusammenfassung des DAI zu den Feldarbeiten von 2015 bis 2019 beschreibt neue Messungen mit Beschleuniger-Massenspektrometrie an organischen Rückständen im Mauermörtel. Nach Einschätzung des Teams bestanden einige Rundbauten mehr als fünf Jahrhunderte länger, als frühere Schätzungen angenommen hatten. Ihre Datierungen überschneiden sich außerdem mit rechteckigen Gebäuden, die das ältere Modell einer späteren Schicht zuordnete. Laut Bericht veranlassten diese Befunde die Forschenden, die einfache chronologische Abfolge aus drei Schichten aufzugeben. Das ist eine Präzisierung des Modells, keine Behauptung, Göbekli Tepe sei plötzlich einer anderen Zeit zuzuordnen. [3]

Was sich geändert hat – und was nicht

Die Formulierung „Göbekli Tepe wurde neu datiert“ kann den Eindruck erwecken, ein neuer Befund habe die gesamte Fundstelle in eine völlig andere Epoche verschoben. Die veröffentlichte Änderung ist genauer: Die Baugeschichten und ihre relative Abfolge wurden anhand besser eingeordneter Datierungen neu bewertet. Forschende des DAI betonen, dass die Anlagen der Schicht III nicht zwingend gleichzeitig entstanden. Die späteren Mörteldatierungen zeigen außerdem, dass sich runde Monumentalbauten und rechteckige Gebäude zeitlich überschneiden können. Die Archäologie überarbeitet also das Bild davon, wie sich die Fundstelle entwickelte; sie ersetzt nicht die breite neolithische Einordnung der UNESCO. [2] [3]

Für Besucherinnen und Besucher hilft es, die grobe Einordnung von den Einzelheiten zu trennen. Die grobe Antwort lautet: Göbekli Tepe ist ein Monumentalkomplex des sehr frühen Neolithikums, der häufig als rund 11.500 Jahre alt beschrieben wird. Im Einzelnen besteht die Fundstelle aus Gebäuden und Ablagerungen, deren jeweilige Datierung vom Probenkontext, der Kalibrierung und der architektonischen Deutung abhängt. Die Chronologie ordnet Göbekli Tepe neben anderen Taş-Tepeler-Stätten ein. Das Fundstellenprofil fasst die Ausgrabungsgeschichte zusammen; das Glossar erläutert PPNA und PPNB.

Das Baudatum und die Frage, wie der Stein gewonnen wurde, sind zwei verschiedene Themen. Die Befunde zum Herstellen und Transportieren der Pfeiler fasst ein begleitender Artikel zusammen.

Quellen

  1. 1Göbekli Tepe, World Heritage List no. 1572UNESCO World Heritage Centre · Eingetragen 2018 · UNESCO-Welterbeliste · abgerufen am 23.10.2026
  2. 2How old is it? Dating Göbekli TepeGerman Archaeological Institute, Tepe Telegrams · 22.06.2016 · Forschungszusammenfassung des Ausgrabungsprojekts · abgerufen am 22.10.2026
  3. 3Göbekli Tepe, Turkey: a brief summary of research at a new World Heritage Site (2015–2019)German Archaeological Institute, e-Forschungsberichte · 2020 · Forschungsbericht des Ausgrabungsprojekts · abgerufen am 22.10.2026

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